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Prinzessin Clara (3): Eine magische Unterhaltung (Märchen / Fantasy)

Nachdem Prinzessin Clara zunächst nur in einem Märchen als Hauptperson aufgetaucht ist, welches nicht direkt ihren Namen trägt, habe ich danach inzwischen drei weitere Märchen oder auch Fantasy Geschichten mit ihr geschrieben, die zugleich Fortsetzungen darstellen. Die richtige Reihenfolge der Prinzessin Clara Märchen ist:



Weitere Geschichten werden sicher noch folgen.


Über dieses Märchen: Nachdem Prinzessin Clara in der letzten Geschichte eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht hat, bekommt sie heute Hilfe von ihrer Freundin Ellie, der kleinen Waldfee um mehr über die entdeckte Magie zu erfahren. Ob ihnen das gelingt, erfahrt ihr in der nachfolgenden Geschichte. 


Ein spannendes Märchen welches sich auch als Gute Nacht Geschichte zum Vorlesen eignet. Auch Erwachsene werden dieses Märchen ganz sicher spannend finden.


Hinweis: Alle Geschichten auf dieser Website wurden von mir selbst verfasst und sind kostenlos. Bitte beachtet unbedingt das © Copyright. Eine Veröffentlichung auf anderen Webseiten, sowie eine kommerzielle Nutzung der Texte, muss vorher von mir genehmigt werden.

 

Natürlich dürft ihr, liebe Eltern und Großeltern, Kinder, Geschwister und Freunde dieses Märchen vorlesen und/oder ausdrucken (kostenlos). Dafür ist es ja da :-) Viel Spaß!!!


Kinderbuch schreiben lassen? Ihr habt eine tolle Idee für eine Geschichte und / oder wolltest schon immer mal ein individuelles Buch haben? Dann könnt ihr euch professionell ein Kinderbuch schreiben lassen.​


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Prinzessin Clara: Eine magische Unterhaltung

Es war der Morgen, nachdem Prinzessin Clara und ihr Freund Siegfried das Rätsel der Wandvertäfelung in ihrem Schlafgemach gelöst und einen magischen Spiegel gefunden hatten. Das Bett an der falschen Stelle stehend, den aufregenden Vortag noch im Kopf und vor allem die vielen Fragen, die sie nicht loslassen wollten, hatten der Prinzessin eine unruhige Nacht beschert. Nun wartete sie darauf, dass ihre Freundin Ellie, die kleine Waldfee sie besuchte und ihr mehr über den Spiegel erzählen konnte. So stand sie bereits früh auf, um ihren Vater über die aufregende Entdeckung zu informieren.


Als sie mit ihrer Erzählung fertig war, blickte der König sie nachdenklich an, ehe er sagte: „Das war wirklich ein großes Geheimnis, welches ihr gestern gelüftet habt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in der Burg oder sogar im ganzen Königreich davon wusste, dass der magische Spiegel hier versteckt ist. Je nachdem, was man mit seiner Hilfe tun kann, könnte er sich als sehr hilfreich, aber auch als sehr gefährlich erweisen. Ellie hat sicherlich recht, wenn sie sagt, dass wir seine Entdeckung geheim halten sollten.


Wie ist denn der Plan? Hat Deine Freundin Ellie gesagt, wann sie vorbeikommt, um euch zu helfen?“


„Sie wollte so schnell wie möglich kommen, so dass ich hoffe, dass sie heute noch hier auftaucht“, erwiderte Clara hoffnungsvoll. „Abgesehen davon ist der Plan, dass sich Siegfried zunächst ganz normal seinen Pflichten als Knappe widmet, auch wenn er natürlich sehr gerne dabei wäre, wenn Ellie kommt. Je nachdem, was sie uns berichten kann und was wir danach herausfinden, würde ich ihn schon gerne dabei haben.“


„Er möchte bestimmt seine leiblichen Eltern finden. Warum habt ihr nicht gleich gestern den Spiegel nach ihnen gefragt, so wie Du auch Ellie gerufen hast?“


„Der Gedanke war uns zwar gekommen, aber letztendlich hat er sich dafür entschieden abzuwarten, was der Spiegel noch alles kann und wie genau das mit dem Sehen anderer Personen funktioniert.“


„In Ordnung. Dann gib mir bitte Bescheid, sobald es etwas Neues gibt und wenn ihr Siegfried braucht, dann lasse ich ihn rufen und zu euch schicken.“


„Danke, Vater“, sagte die Prinzessin freudig und drückte ihn ganz fest.


„Ich helfe, wo ich kann“, erwiderte dieser, „aber bitte seid vorsichtig, was immer ihr auch entdeckt und tut.“


„Das sind wir ganz bestimmt!“


***


Es dauerte noch etwas, bis Ellie die kleine Waldfee in der Burg auftauchte und an die Tür von Claras Schlafgemach klopfte. Diese ging schnell an die sicherheitshalber verschlossene Tür und begrüßte erwartungsvoll ihre Freundin mit einer herzlichen Umarmung. „Schön, dass Du so schnell vorbeikommen konntest, Ellie.“


„Das habe ich doch gern getan. Wir haben uns ohnehin viel zu lange nicht mehr gesehen und dies ist natürlich eine besonders gute Gelegenheit. Wie ich sehe, hast Du in der Zwischenzeit versucht etwas mehr herauszufinden, denn die Geheimtür steht offen.“


„Du hast recht, ich habe es vor Neugier nicht mehr ausgehalten und habe mir den Spiegel noch einmal aus der Nähe angesehen. Immer wenn ich vor ihm gestanden habe, begann sein Rahmen wieder zu leuchten und dann sah er auch wieder wie neu aus. Dabei ist mir aufgefallen, dass dort auf dem Rahmen sehr viele fremdartige Schriftzeichen erscheinen, die ich jedoch nicht lesen kann. Außerdem bin ich um ihn herumgegangen, konnte aber an seiner Rückseite nichts Ungewöhnliches entdecken.“


„Das passt zu den Informationen, die ich finden konnte“, bestätigte Ellie, die inzwischen mit ihrer Freundin in den geheimen Raum getreten war. „Ich habe euch ja gestern plötzlich hinter mir gesehen, in einem leuchtenden Rahmen, der genauso groß war, wie der des Spiegels. Nachdem euer Bild wieder verschwunden war, bin ich sofort in meine gemütliche Hütte im Zauberwald gegangen und habe in Büchern und anderen Aufzeichnungen nach Informationen über dessen magische Fähigkeiten gesucht und dies hier gefunden.“ Die kleine Waldfee zog eine erstaunlich große, alte Schriftrolle aus ihrer Rocktasche und begann vorzulesen:


„Der magische Spiegel kam einst mit seinem Herrn und Meister, dem mächtigen Zauberer Dalisal, aus einem fernen Land in unsere Welt. Er war in der Lage eine Verbindung zu einem anderen Ort herzustellen, sobald man nur in seine Nähe kam und sich wünschte einen bestimmten Ort oder eine Person zu sehen. Auch war es möglich sich mit Personen auf der anderen Seite des Spiegels zu unterhalten.


Ebenfalls wurde berichtet, dass es durch einen Zauber möglich war, den Spiegel zu durchqueren und an jeden beliebigen Ort zu reisen. Dalisal nutzte dies, um fremde Länder zu erforschen und Menschen zu helfen die in Not waren, bis er eines Tages spurlos verschwand. Daraufhin gelangte ein anderer Magier in den Besitz des Spiegels und setzte diesen fortan ein, um noch mächtiger zu werden. Er verbündete sich mit einem niederträchtigen König und begann Spione, Attentäter und sogar Soldaten hindurch zu entsenden, wodurch es ihnen gelang mehrere Königreiche zu erobern.


Allerdings wurde der Zauberer immer gieriger und wollte die Macht über die Königreiche ganz für sich allein. So kam es schließlich dazu, dass er versuchte den König heimtückisch zu ermorden. Doch dieser, selbst voller böser Gedanken, war darauf vorbereitet und so kam es schließlich zu einem offenen Kampf zwischen dem Zauberer und dem König und seinen besten Soldaten. Der Zauberer wurde getötet, ließ jedoch den Spiegel mit seinem letzten Atemzug verschwinden. Seitdem wurde dieser nie wieder gesehen.“


Ellie ließ die Schriftrolle sinken und Clara, die ihren Worten gebannt gelauscht hatte, begann tief auszuatmen. Scheinbar hatte sie vor Aufregung irgendwann die Luft angehalten. „Das ist ja eine schlimme Geschichte“, sagte sie betroffen. „Ein Spiegel, mit dem man so viel Gutes tun könnte, indem man z. B. Ärzte, Medikamente oder Nahrung hindurch schickt, wurde missbraucht, um die Macht zweier böser Menschen zu vergrößern und dabei für viel Leid und Tod zu sorgen. Wie kann man nur so herzlos sein?“


„Ich glaube, das werden wir nie verstehen können“, erwiderte ihre Freundin betrübt. „Was wir aber tun können ist, damit Gutes zu bewirken, wenn wir dahinter kommen, wie wir die ganze Magie des Spiegels nutzen können. Leider habe ich dazu keinen Hinweis gefunden, aber vielleicht entdecken wir ja gemeinsam noch etwas. Schauen wir uns doch mal die Schriftzeichen auf dem Rahmen an.“


Sie gingen einen Schritt näher an den Spiegel heran und schon begann der Rahmen zu leuchten und auf ihm erschienen zahlreiche fremde Schriftzeichen. „Siehst Du, was ich gemeint habe?“, fragte Clara. „Ich habe so eine Schrift noch niemals gesehen. Du etwa?“


„Nein, ich auch nicht“, erwiderte Ellie, „aber ich habe schon eine Idee, wie wir das Problem lösen können. Sie zog ihren Zauberstab aus ihrer Rocktasche, deutete damit auf den Spiegel und sagte dazu einen Zauberspruch. Plötzlich verschwanden die fremden Schriftzeichen und wurden durch die ihnen gut bekannte Schrift ersetzt. „Manchmal ist es schon recht praktisch, wenn man ein wenig zaubern kann“, sagte sie grinsend. „Wie gut, dass ich den Übersetzungszauber nicht vergessen habe.“


„Das ist ja großartig, das hätte ich ohne Dich nie übersetzen können. Aber was steht denn da nun eigentlich?“ Laut las Clara den Text vor:


„Hast zur Magie Du ein paar Fragen,

werd ich die Antworten Dir sagen,

doch musst Du dafür höflich sein

und brauchst dazu ein Herz ganz rein.“



„Danke, Vater“, antwortete seine Tochter freudig. Sie stellte das Tablett an einer Stelle auf dem Schreibtisch ab, auf der sich noch keine Dokumente befanden und nahm sich etwas frisches Brot. Danach begann sie aufgeregt zu erzählen, was sie am Morgen in ihrem Schlafgemach entdeckt hatte. Der König hörte aufmerksam zu und nachdem sie ihre Erzählung beendet hatte, blickte er sehr nachdenklich, ohne jedoch etwas zu sagen.


„Und, Vater“, fragte die Prinzessin aufgeregt, „weißt Du etwas über das Geheimnis dieser Wand, ob es ein Mechanismus ist und falls ja, wie man diesen in Gang setzt?“ Der Burgherr zögerte noch einen Moment, doch dann sagte er: „Leider kann ich Dir dazu gar nichts sagen. Ich habe nie davon gehört und so sehr ich auch nachdenke, kann ich doch keinen Zusammenhang zu einem früheren Rätsel oder einer Begebenheit herstellen.“ Sichtlich enttäuscht legte Clara das restliche stück Brot zurück auf das Tablett. Sie hatte gehofft, dass ihr Vater mehr darüber wissen würde. „Aber wie soll ich denn nun das Rätsel lösen?“, fragte sie, denn so leicht würde sie nicht aufgeben.


„Keine Sorge, mein Kind. Ich habe da schon eine Idee“, antwortete ihr Vater, stand auf und griff nach einem großen Buch, welches sich in einem großen Holzregal hinter ihm befand. „Vielleicht findest Du hier einen Hinweis.“


„Die Chronik der Burg?“, fragte Clara überrascht. „Die haben wir doch beide schon gelesen und Du sogar schon mehrfach. Glaubst Du wir haben darin etwas übersehen?“


„Nun, ich glaube nicht, dass wir etwas übersehen haben, denn wir haben ja gar nicht nach so einem Geheimnis gesucht“, entgegnete der König. „Aber wenn Du gezielt nach Hinweisen suchst, dann wirst Du sicher etwas finden.“


„Hoffentlich hast Du recht,“ erwiderte die Prinzessin nun wieder deutlich zuversichtlicher. „Darf ich das Buch in mein Schlafgemach mitnehmen?“


„Natürlich darfst Du das“, stimmte ihr Vater zu. „Übrigens habe ich um ein Uhr ein Treffen mit all meinen Rittern, welches den ganzen Nachmittag dauern wird. Aus diesem Grund haben wir den Knappen heute einen freien Nachmittag gewährt. Sie sind alle sehr fleißig und haben ihn sich verdient.“


„Dann kann Siegfried mir also helfen“, freute sich Clara. „Danke Vater, für Deine Unterstützung!“, sagte sie zum Abschied, schloss ihren Vater in die Arme, drückte ihm einen dicken Schmatzer auf die Wange und verließ das Arbeitszimmer mit dem schweren Buch in den Händen.


„Gern geschehen“, rief der König ihr nach, „und berichtet mir ausführlich, wenn ihr etwas herausgefunden habt.“


„Das machen wir ganz bestimmt“, rief Clara noch und schon war sie verschwunden.


***


Verwirrt hielt sie inne. „Das ist ja seltsam. Wen soll ich fragen? Es ist doch niemand da.“


„Hmmm“, überlegte Ellie, „vielleicht ist damit der Spiegel gemeint. Es könnte eine Art Schutz sein, den Dalisal sich ausgedacht hatte, damit die Magie nicht von bösen Menschen missbraucht werden kann. Deshalb reagiert er nur auf Menschen mit einem reinen Herzen.“


„Das muss dann wohl einmal schiefgegangen sein, wenn ich daran denke, was Du vorhin über den bösen Zauberer vorgelesen hast. Wollen wir es trotzdem probieren?“


„Wir werden wohl keine andere Wahl haben, denn mehr steht hier nicht geschrieben.“


„Also gut“, sagte Clara: „Lieber Spiegel, kannst Du uns bitte etwas über Deine Magie verraten.“


Im nächsten Moment verschwand das Spiegelbild, welches bisher die beiden Freundinnen gezeigt hatte und es erschien das Bild eines ungefähr 50 Jahre alten Mannes, der offenbar aus einem fernen Land stammte. Seine Haut war dunkler, als es hier üblich war, seine Haare waren tiefschwarz und auch seine Kleidung unterschied sich deutlich von der, die man hier in diesen Landen trug. Besonders auffällig war jedoch der goldene Ohrring, den er in seinem rechten Ohr trug. So etwas hatten sie noch bei keinem Mann gesehen.


„Natürlich kann ich das, wo ihr mich doch so freundlich darum bittet“, sagte der Spiegel bzw. das Spiegelbild erfreut. „Doch wo sind denn meine Manieren? Guten Tag liebe Prinzessin Clara und liebe Waldfee Ellie. Was möchtet ihr denn gerne wissen?“


Einen Moment lang waren die beiden Freundinnen sprachlos, denn obwohl sie vorher keine Vorstellung davon hatten, ob und wie der Spiegel mit ihnen reden würde, hatten sie damit definitiv nicht gerechnet.


„Ellie“, sagte Clara, nachdem sie sich wieder gefangen hatte, „er spricht. Es hat funktioniert.“


„Ja, das tut er“, freute sich diese ebenfalls, „und noch dazu in unserer Sprache.“


„Ähem“, räusperte sich der Spiegel, „ihr wisst schon, dass ich euch hören kann, oder? Es wäre nett, wenn ihr dann nicht von mir reden würdet, als wäre ich nicht dabei.“


Die beiden Freundinnen sahen sich kurz überrascht an, ehe Ellie freundlich sagte: „Entschuldige bitte, das haben wir gar nicht bedacht. Wir sind es nur nicht gewohnt mit Spiegeln zu sprechen.“


„Ist schon in Ordnung“, antwortete dieser, „ich wollte bloß eure Gesichter sehen, wenn ich das sage.“ Daraufhin grinste das Spiegelbild des Mannes und er entblößte seinen makellosen, weißen Zähne.


„Na das ist ja mal eine Überraschung“, erwiderte Clara lachend. „Nicht nur, dass wir mit Dir, einem sprechenden Spiegel reden, sondern Du hast auch noch Humor.“


Die aufgeregte, angespannte Stimmung, die noch vor wenigen Augenblicken geherrscht hatte, war mit einem Mal verflogen und so begannen Clara und Ellie sogleich damit dem Spiegel jede Menge Fragen zu stellen, die dieser bereitwillig beantwortete.


„Wer ist das, den wir im Spiegel sehen?“, begann Ellie.


„Das Spiegelbild, welches mit euch spricht, zeigt in Wirklichkeit meinen Schöpfer Dalisal, aber ich könnte auch als jede andere Person mit euch sprechen.“


„Warum muss man höflich sein und ein reines Herz haben, um mit Dir sprechen zu können?“, war nun Clara an der Reihe.


„Die Höflichkeit dient lediglich dazu, dass ich mich auch direkt angesprochen fühle und mich dann aktiviere. Wenn ich auf jeden Satz, der in meiner Nähe gesprochen wird, reagieren würde, dann wäre ich früher ständig aktiv gewesen, wenn jemand mit reinem Herzen etwas gesagt hätte. Diese Vorgabe mit dem reinen Herzen, ist dagegen wirklich ein Schutz, der gegen böse Menschen gedacht ist. Allerdings wurde dieser einmal überlistet, als ein unschuldiges Kind mich höflich ansprach, während sich ein böser Zauberer im Nebenraum versteckt hatte. In dem Moment, als ich dem Kind antwortete stieß er es zur Seite und ich musste tun, was er wollte. Er hatte das Kind nur ausgenutzt und ihm etwas versprochen, wenn es mich ansprechen würde.“


„Dann stimmt es also, dass ein böser Zauberer und ein König Dich benutzt haben, um Kriege gegen unschuldige Reiche zu führen und zu gewinnen“, stellte Ellie erschüttert fest.


„Ja, so war es. Ich musste tun, was sie verlangt haben, denn auch wenn ich eine eigene Meinung habe, kann ich mich den Aufgaben, die mir aufgetragen werden, nicht widersetzen. Erst als der böse Zauberer im Sterben lag, wurde ich von ihm wieder deaktiviert. Mein Zustand glich einem langen Schlaf, bis Clara mich wieder erweckt hat.“


„Aber um jemanden zu sehen, muss man nur in Deine Nähe kommen und den entsprechenden Wunsch aussprechen?“, war nun die Prinzessin wieder an der Reihe.


„Das ist richtig. Dieser Zauber funktioniert auch ohne, dass mein Bewusstsein aktiv ist. Man kann jemanden, etwas oder einen bestimmten Ort sehen, wenn man es sich wünscht.“


„Funktioniert das mit dem Reisen dann genauso, abgesehen davon, dass Du dafür aktiviert sein musst?“, stellte die kleine Waldfee schließlich die Frage, deren Antwort sie am meisten interessierte.


„Ihr wisst doch sowie schon alles, wieso fragt ihr mich denn überhaupt noch?“, antwortete das Gesicht des Dalisal mit einem breiten Grinsen. „Es ist tatsächlich so, wie ihr es vermutet habt, nur dass es dabei etwas mehr zu beachten gibt.“


„Und was wäre das?“, wollte Clara gespannt wissen.


„Nun, es ist so, dass ich euch nicht direkt dorthin bringen kann, wo sich eine Person befindet, sondern nur in ihre Nähe, außer Sichtweite.“


„Wieso gibt es denn diese Einschränkung?“, fragte die Prinzessin nach.


„Das liegt daran, dass es zu gefährlich sein könnte. Mein Schöpfer hatte Angst jemand könnte sich zu Tode erschrecken, wenn plötzlich jemand neben ihm aus dem Nichts erscheint. Umgekehrt könnte aber auch die Person, die hindurchgeht direkt in einem Schwertkampf landen, selbst wenn es nur eine Übung sein sollte. Das könnte tödlich sein.“


„Ich glaube ich bin ganz froh, dass dies nicht passieren kann“, sagte die kleine Waldfee und ihre Freundin nickte zustimmend. „Nun müssen wir nur noch wissen, wie man zurückkommt. Bleibt dieses Portal oder was Du dorthin öffnest, die ganze Zeit über geöffnet?“


„Dies ist eine sehr gute und wichtige Frage. Dieser Durchgang oder dieses Portal, welches ich öffne, schließt sich, sobald man sich auf der anderen Seite etwas davon entfernt hat. Um zurückzukehren gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man kehrt genau an diese Stelle zurück, dann aktiviert es sich wieder, sobald man davor steht, oder man nimmt den Ring mit, der sich in meinem Rahmen befindet.“


Ellie und Clara blickten sich zunächst überrascht an und suchten dann den Rahmen des Spiegels ab. „Dies hier könnte ein Ring sein“, rief die Prinzessin plötzlich und berührte das entsprechende Symbol mit ihrem Zeigefinger. Daraufhin begann es kurz hell aufzuleuchten und tatsächlich glitt ein goldener Ring über Claras Zeigefinger, der ihr perfekt passte. Erschrocken wich sie zurück, doch als sie einen Augenblick später wieder vortrat und erneut auf diese Stelle drückte, glitt der Ring wieder von ihrem Finger und nahm wieder seinen Platz im Rahmen des Spiegels ein.


„Das war zwar etwas überraschend und vor allem auch ungewöhnlich, aber nun hätten wir das auch geklärt“, sagte sie erleichtert.


„Magie ist meistens überraschend“, bestätigte nun auch Ellie und schmunzelte, „zumindest, wenn es ein Zauber ist, den man noch nicht kennt.“


„Lieber magischer Spiegel“, sagte sie dann, „wir bedanken uns herzlich für Deine Auskünfte und versprechen Dir, Dich bald wieder zu besuchen.“


„Das wäre sehr nett von euch“, antwortete dieser. „Ich hatte schon lange nicht mehr eine so gute Unterhaltung und Spaß hatte ich sowieso schon ewig nicht mehr.“


Die beiden Freundinnen winkten noch einmal und das Spiegelbild des Dalisal winkte freundlich zurück. Dann traten sie aus dem geheimen Raum hinaus und der Spiegel hinter ihnen erlosch.


„Das war vielleicht aufregend“, sagte Clara zu ihrer Freundin.


„Und aufschlussreich“, erwiderte diese.


„Lass uns heute Abend zu meinem Vater gehen, wenn auch Siegfried mit seiner Arbeit fertig ist. Dann können wir ihnen alles erzählen und in Ruhe besprechen, was wir mit diesem Wissen anfangen wollen. „Vielleicht machen wir uns ja wirklich auf die Suche nach Siegfrieds Eltern. Es wäre so schön, wenn wir sie finden würden.“


„Das hoffe ich auch“, stimmte ihr Elli zu. „Aber nun lass uns erstmal etwas essen gehen. Geheimnisse und Magie machen hungrig.“ Lachend und gut gelaunt machten sie sich auf den Weg in die Küche, bevor sie sich mit einem gut gefüllten Picknickkorb nach oben auf den höchsten Burgturm begaben, wo sie sich noch lange darüber unterhielten, was ihnen der magische Spiegel erzählt hatte und was sie mit diesem Wissen alles tun könnten.


ENDE

© 2023 Guido Lehmann / Geschichten-fuer-Kinder.de


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